Eine bunte Mischung fantastischer Geschichten
Gleich 16 verschiedenen Autoren und Autorinnen haben diesem Buch zu der bunten Mischung verholfen, Kurzgeschichten aus verschiedensten Bereichen der Fantasyliteratur bilden diese schöne, vielfältige Anthologie. Gemeinsam ist ihnen dabei nur ein, wie auch immer gearteter, Winterstern, egal ob als Amulett, Himmelskörper oder gar Person.
Dabei reicht die Bandbreite von Liebesgeschichten, über Mysteryelemente bis hin zu einer leichten Form der Gesellschaftskritik. Alles drin also, was man von einem guten Buch erwarten darf.
Natürlich kann bei einer solch großen Menge nicht alles gleich gut gefallen und deswegen fällt es mir auch schwer, hier eine deutliche und trotzdem faire Bewertung zu geben.
Es gibt Geschichten, die haben mich sehr begeistert, beispielsweise schon die zweite: „Verloren“ von Jamie L. Farley. Sie behandelt eine Liebe, die nicht sein darf und sich trotzdem über die Grenzen von Zeit und gesellschaftlichen Normen erhebt. Ob dies allerdings gut ausgeht, lasse ich an dieser Stelle offen. Unheimlich gefühlvoll wird hier beschrieben, welche Folgen Diskriminierung und Verfolgung haben, was sich problemlos in unsere reale Welt übertragen lässt.
Auch die Geschichte „Ganz“ von Veronika Rothe hat mich beeindruckt, auch wenn sie relativ vorhersehbar war. Auch diese behandelt ein Thema, über das man leider immer noch diskutieren muss, anstatt es einfach als normal anzusehen: Homosexualität.
Henrik Sturmbluth bringt schließlich fast am Ende des Buches dann auch endlich Drachen und Zwerge ein, so dass auch diese „typischen“ Fantasyelemente nicht fehlen. Wer fantastische Abenteuergeschichten mag, wird auch hier sicherlich zufrieden sein.
Mein persönlicher Favorit ist wider Erwarten jedoch der Beitrag von Maya Sheperd, obwohl die Handlung deutliche Sci-Fi-Bezüge aufweist und dies normalerweise gar nicht zu meinen liebsten Genres zählt. Trotzdem haben mich ihre Worte sofort in ihren Bann gezogen, der Schreibstil ist irgendwie magisch und ich hätte gerne gewusst, wie es mit den Protagonisten weitergeht - was praktischerweise kein großes Problem ist, weil sie Teil eines größeren Werkes der Autorin sind.
Andere Geschichten konnten mich nicht ganz so packen, auch wenn der Schreibstil durchweg gut war, meistens sogar sehr gut. Manchmal fehlte mir die Spannung, die Protagonisten waren nicht mein Fall oder schlichtweg das Thema nicht interessant für mich. Aber dies ist tatsächlich Nörgeln auf sehr hohem Niveau und wahrscheinlich nur der Qualität der besten Geschichten geschuldet, sie waren natürlich eine hohe Messlatte.
Insgesamt hat S.M. Spoerri bzw. der Sternensandverlag hier eine sehr schöne, kurzweilige Mischung gefunden und zusammengetragen, die manche gefühlvolle Lesestunde bietet.
Generell mag ich gerne Anthologien, weil sie sich häppchenweise lesen lassen, so als Betthupferl am Abend, und weil sie mir unbekannte Autoren näherbringen. Dies ist definitiv gelungen, manch einen der Verfasser oder Verfasserinnen werde ich mir näher anschauen und auch eventuell vorhandene Romane auf meine Wunschliste setzen.
Nebenbei sei noch bemerkt, dass ich das Cover für sehr gelungen halte. Es zeigt sehr deutlich die mystische, aber dennoch freundliche Stimmung des Buches, macht neugierig und ist letzten Endes einfach wunderschön. Und wenn man bedenkt, dass ich in meinen Rezensionen die Cover nur erwähne, wenn sie besonders (negativ oder positiv) herausragend sind, kann man dies wohl als dickes Lob an den wunderbaren Designer Alexander Kopainski ansehen.
Liebe Fantasyfans: Von mir gibt es eine deutliche Kaufempfehlung, in diesem Buch sollte für jeden etwas dabei sein.
Sternensand Verlag, 362 Seiten, Taschenbuch, Ebook, 2017