Politisch, philosophisch und poetisch
Konstantins Leben ist langweilig und von kaum sozialen Kontakten geprägt, als er seine Nachbarin Leyla kennenlernt. Fasziniert von dieser Frau, will er Anteil an ihrem Leben nehmen und findet sich rasend schnell in der linksextremistischen Szene wieder. Er feiert mit Hausbesetzern, nimmt an Demos teil und fühlt sich endlich angenommen. Irgendwann ufert das Ganze jedoch fürchterlich aus, und aus ungefährlichen Aktionen werden Terroranschäge mit Toten. Konstantin steht plötzlich mittendrin, und bevor er weiß, was geschieht, gerät sein Leben völlig aus den Fugen.
Hauptkommissar Dr. Priester hat ihn schnell im Visier, fraglich bleibt, wer die wirklichen Schuldigen sind.
Dieses Buch behandelt ein brisantes Thema und konfrontiert den Leser mit reichlich ethischen und moralischen Fragen. Wie weit darf man gehen, um seine Unzufriedenheit mit dem Staat zu zeigen? Darf man töten, um andere Menschen zu retten? Ab wann ist man schuldig? Und nicht zuletzt: Welches Recht ist gerecht? All diese Fragen werden beim Lesen aufgeworfen, und beantworten kann sie nur jeder für sich. Das ist es auch, was mir am besten an diesem Buch gefällt: Es regt zum Nachdenken an und zeigt mit dem Finger auf Problemstellungen, ohne die Lösung vorzugeben. Das Ganze ist umsponnen mit einer schönen und tragischen Liebesgeschichte, die nicht wirklich dominiert, aber unterschwellig die Motivation Konstantins erklärt.
Die Figuren sind anschaulich und passend zu ihren Rollen, auch wenn man nicht alle gleich gut kennenlernt.
Der Schreibstil ist bildhaft, teilweise schon poetisch und sehr angenehm zu lesen, die Wortwahl ist einer der größten Pluspunkte des Buches.
Die Handlung ist streckenweise sehr rasant und sprunghaft. Dies passt an vielen Stellen, nur am Schluss hat es mich gestört. Das Ende insgesamt ist dann auch der einzige Teil des Buches, der mir nicht gefallen hat. Die genaueren Gründe hierfür kann ich jedoch nicht aufführen, ohne zu spoilern und natürlich bleibt dies auch subjektive Geschmackssache.
Zusammengefasst ist es ein lesenswertes Buch, das ich gerne politisch oder auch philosophisch interessierten Menschen ans Herz legen möchte. Nachdenklich macht es auf jeden Fall und der Inhalt bleibt im Kopf.