25.11.2021
Von einem Tag auf den anderen ändert sich Laurens Leben radikal, ein Schicksalsschlag nimmt ihr alles Liebgewonnene und so ist sie froh, als ihr Onkel Wesley wie aus dem Nichts auftaucht. Von seiner Existenz hatte sie nichts geahnt und trotzdem nimmt er sie mit auf das Anwesen Snowdrop Manor und bietet ihr hier eine Anstellung. Dies ist im viktorianischen England ein echter Glücksgriff, sind die Arbeitsstellen für Frauen doch rar gesät und ihre Selbstständigkeit noch lange nicht Alltag. Aber ist es wirklich so ein Glück, in diesem alten Haus zu leben? Unerklärliche Dinge spielen sich hier ab, die Bewohner verhalten sich seltsam und selbst die Krähen spielen verrückt. Irgendwas geht hier vor sich und es ist nicht klar, ob sich Laurens Leben wirklich zum Besseren gewandelt hat.
Dieses Buch hat mich sehr fasziniert beim Lesen und das ist vor allem der starken Rolle der Protagonistin zu verdanken. Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte ist bemerkenswert, vom grauen Mäuschen zur starken, teilweise sogar berechnende Frau, dabei aber immer mit einem liebenswerten Charakter, der mich mit ihr mitfiebern lies. Förderlich war hier sicherlich die Ich-Perspektive, die eine große Nähe schuf, aber Lauren ist einfach auch sehr schön und detailliert dargestellt worden von der Autorin. Auch die Nebenfiguren haben mir gut gefallen und ich habe sie schnell kennen gelernt, jede hat spezifische Merkmale und Eigenheiten, die sie charakterisieren.
Der Anteil an Fantasy- und magischen Elementen war für mich perfekt und insbesondere der dunkle Faktor in diesem Buch hat mir gut gefallen.
Snowdrop Manor ist ganz sicher kein „Heile-Welt-Roman“, an manchen Stellen geht es schon ein bisschen gruselig zur Sache, ohne allzu brutal zu werden und auch ein kleines bisschen Gesellschaftskritik kann man herauslesen. Ein bisschen Liebe gibt es auch, aber richtig gut fand ich, dass die Autorin den Wert der Freundschaft deutlich betont.
Das Ende mochte ich sehr, es passt wunderbar zu der Geschichte davor und hätte kaum besser gewählt sein sein können.
Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und sehr anschaulich, ich konnte mir Laurens Leben sehr gut vorstellen und sah ihre Umwelt regelrecht vor mir. Es ist kein Buch, was ich rasend schnell durchgelesen habe, weil ich ihre Welt wirklich miterleben und nicht nur überfliegen wollte.
Einen ganz dicken Pluspunkt gibt es noch für das Cover, es ist wirklich wunderschön anzusehen und das sogar von allen Seiten. Im Regal, wenn man nur den Buchrücken sieht, wirkt es fast wie ein sehr altes Buch und allein die Farbgestaltung wirkt sehr edel.
Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für (Dark)Fantasy Fans.