An diesem Buch hat mich anfangs vor allem die Idee fasziniert: 24 Autoren schreiben zusammen ein Buch (gut, genau genommen 22, da zwei Autoren auch noch unter Pseudonym schrieben).
Dabei hatte jede/r die Möglichkeit, Figuren aus eigenen anderen Geschichten und die jeweilig favorisierten Genres unterzubringen. Phantastik, Krimi, Horror und Liebesgeschichte gemischt in einem Buch? Ein spannendes Experiment, dachte ich mir, und wurde nicht enttäuscht.
Die gesamte Geschichte spielt in einem Berliner Nobelhotel an einem einzigen Tag, jeder Autor hat eine Stunde dieses Tages erzählt. Trotzdem gibt es einen roten Faden, der alles ein bisschen zusammenhält: Die Aufklärung eines mysteriösen Mordes und die Sorge um das Verschwinden eines berühmten Fußballstars bilden die Klammer um die einzelnen Geschichten. Auch die Protagonisten tauchen immer wieder auf und helfen dem Leser, sich nicht völlig zwischen den vielen verschiedenen beteiligten Figuren zu verlieren. Die Hoteldirektorin Marlene Paul zeigt sich als resolute, unnahbare Chefin, die trotzdem im Laufe des Tages einige Sympathiepunkte bekommt. Das freche, leicht anzügliche Zimmermädchen Natascha sorgt immer wieder für stimmungsvolle Einlagen und vor allem der Concierge Mr. Caine bleibt nach dem Lesen in Erinnerung.
Und tatsächlich tauchen in diesem Roman dann nicht nur reichlich Liebeleien und Beziehungskisten auf, sondern auch Wesen, die ich so noch in keinem Hotel getroffen habe, Nachtjäger und grüne Frauen zum Beispiel. Was sich hier unpassend und komisch anhört, ist es nicht. Jedes neue Kapitel baut auf dem nächsten auf und mir hat diese bunte Genremischung sehr gut gefallen, letzten Endes wirkte doch alles rund und am Ende passend.
Ein ganz ungetrübtes Lesevergnügen war es leider trotzdem nicht, ein bisschen eher wie eine Achterbahnfahrt. Normalerweise benötigte ich ein paar Seiten, um in einem Buch zu versinken, heraus komme ich dann erst wieder, wenn es zu Ende ist. Dadurch, dass hier aber immer wieder zusätzlich zu den Hauptfiguren andere Personen ins Spiel gebracht wurden, musste ich mich oft wieder neu einfinden. So fehlte mir ein bisschen dieses Gefühl, von einem Buch wirklich gefangen genommen zu werden und manche Figuren waren schon wieder weg, bevor ich sie richtig kennenlerne konnte.
Dies ist aber auch der einzige Kritikpunkt, der wahrscheinlich bei solch einem Projekt gar nicht ausbleiben kann.
Der Schreibstil war bei allen Autoren gelungen und flüssig zu lesen, die Erzählperspektive wechselte manchmal mit dem nächsten Autor, was ich in diesem Fall passend finde. Ebenfalls gut gefallen hat mir die Vielfältigkeit der Sprache, jeder Schriftsteller hat seinen eigenen Stil eingebracht, so dass es manchmal von äußerst gefühlvollen zu relativ derben Ausdrücken umsprang.
Das Ende der Geschichte um diesen Tag im Hotel war für mich überraschend, aber schlüssig, einige lose Fäden wurden hier verknüpft, andere dagegen blieben offen und überlassen es der Phantasie des Lesers, hier einen passenden Weg zu finden.
Im hinteren Teil werden alle Autoren vorgestellt, Werke von dem ein oder anderen werde ich bestimmt noch lesen. Insbesondere die grüne Frau interessiere ich mich sehr, könnte gut sein, dass sie demnächst den Weg in mein Bücherregal findet.
Insgesamt wird das Chaos, welches innerhalb dieser 24 Stunden in dem Hotel stattfindet, allein schon durch die Aufmachung und Art des Erzählens wunderbar deutlich, das Buch ist ebenso bunt, herzlich, gefühlvoll, böse und chaotisch wie der beschriebene Tag.
Eine Kaufempfehlung gibt es für alle Leser, die sich gerne auf ein interessantes und innovatives Experiment einlassen möchten.
Taschenbuch, 400 Seiten, 2015
Seite zum Buch
Autorinnen und Autoren
Poppy J. Anderson
Elke Bergsma
Béla Bolten
David Gray
Marcus Hünnebeck
Hannah Kaiser
Siegfried Langer
Karola Löwenstein
Nika Lubitsch
Matthias Matting
Michael Meisheit
Hanni Münzer
Babsy Tom
Petra Röder
BC Schiller
Klaus Seibel
Catherine Shepherd
Hannah Siebern
Daphne Unruh
Mike Wächter
Kirsten Wendt
Ella Wünsche