Märchenspinnerei Band 3
Ein kleines Dorf in den Alpen, zwei Maries und jede Menge Märchen
Marie und Marie, zwei Halbschwestern, leben in einem kleinen Tal in den Alpen, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Eine der beiden nennt sich lieber Pegg und diese ist nicht nur mit ihrem Namen unzufrieden, sondern mit ihrer gesamten Situation. Eigentlich ein Stadtkind, kommt sie mit dem gänzlich anderen Leben in dem kleinen Hotel ihres Vaters so gar nicht zurecht.
Ihre Mutter Desiree hatte die Idee, sich hier niederzulassen, nach dem Tod der Mutter der anderen Marie hofft sie, nun endlich den Vater der beiden Mädchen für sich allein zu haben. Dieser hat nämlich über viele Jahre ein Leben mit zwei Frauen geführt, konnte sich nie für eine entscheiden und zeugte mit jeder jeweils ein Kind: Eine Marie.
Das allein macht ihn schon zu einer ziemlich unsympathischen Figur, auch wenn er sich alle Mühe gibt, wie ein ordentlicher Familienvater zu wirken. Beide Mädchen müssen ein Praktikum absolvieren, und so landet Marie (die, die auch so genannt wird) beim Hollerhof. Hier offenbaren sich nun nach und nach ganz seltsame Dinge, die Maries Weltbild gehörig durcheinander bringen. Und neben all den verwirrenden neuen Erkenntnissen kommt noch ein weiteres Gefühl dazu: Sie verliebt sich unsterblich.
Aber irgendwas stimmt nicht, alles was eigentlich gut und richtig erschien, ist irgendwie doch ganz anders, und die nette Frau Holle ist gar nicht so nett. Das meint jedenfalls Pegg, die ebenfalls irgendwann auf dem Hollerhof landet. Andererseits hat die ja immer irgendwas zu meckern, wirklich vertrauen kann Marie ihr auch nicht.
Ohne zu viel zu verraten: Es ist lange nicht alles so, wie es scheint, es wird gelogen und verschwiegen, dass sich die Balken biegen und das Ende kommt in jedem Fall überraschend und fantastisch. Dies ist es auch, was mir an dem Buch am besten gefallen hat: Aus einem Märchen, von dem ich ziemlich genau zu wissen glaubte, wie es ausgeht, wird eine sehr spannende Fantasygeschichte, die alles noch einmal auf den Kopf stellt. Anfangs dachte ich, gut, Tina Skupin erzählt Frau Holle, etwas anders und in die heutige Zeit adaptiert. Dies hat sie auch gemacht, aber irgendwann entwickelte die Geschichte scheinbar ein faszinierendes Eigenleben, das das Ganze erst richtig spannend macht.
Auch die Figuren sind sehr schön ausgearbeitet, der Vater ist tatsächlich ein Unsympath sondergleichen und seine Frau Desiree ist auch nicht viel besser. Ähnlich zickig erscheint auch Pegg, diese ist aber deutlich vielschichtiger als gedacht und macht einige interessante Wendungen durch, die sie zu einer sehr anschaulichen Figur werden lassen. Frau Holle bleibt dagegen ein bisschen geheimnisvoll, was gut zu ihr passt und ihre Rolle ist, gut gelöst also von der Autorin.
Als anstrengend empfand ich jedoch die Sache mit den beiden Maries. Selbst eben, als ich nur kurz den Inhalt zusammenfassen wollte, fiel es mir schon schwer, diese Beiden zu beschreiben, weil sie eben den gleichen Namen haben. Mir ist schon klar, dass sie sich auf Gold- und Pechmarie beziehen und Tina Skupin hat ja auch versucht, mit dem Spitznamen Pegg das Ganze zu entschärfen, trotzdem wusste ich manchmal nicht sicher, wer nun spricht. Die Geschichte wird nämlich abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Mädels erzählt. Eigentlich eine schöne Idee, ein paar Mal aber eben auch verwirrend für mich als Leserin.
Ansonsten hat mir der Schreibstil gefallen, die Autorin nutzt eine klare Sprache ohne großartige Metaphern und Bilder, dafür aber mit deutlichen Ansagen. Vor allem zu Beginn bleibt sie nah an dem Originalmärchen, arbeitet später jedoch auch einige Sagen und Legenden aus dem alpinen Raum mit ein, was mir sehr gefallen und mein Interesse für diese Geschichten geweckt hat.
Insgesamt interessante Wendungen in einem schönen Märchen mit Fantasyanteilen – oder einer Fantasygeschichte mit Märchenanteilen. Fans beider Genres werden zufrieden sein und bekommen natürlich eine Kaufempfehlung von mir.