Märchenspinnerei Band 4
Hänsel und Gretel auf Koks
Im vierten Band der Märchenspinnerei hat sich Susanne Eisele das bekannte grimmsche Märchen um Hänsel und Gretel vorgenommen, allerdings in etwas abgewandelter Form. Die Szenerie spielt in einer modernen Zeit, ist jedoch trotzdem mit fantastischen Elementen durchsetzt.
Hansjörg und Margarete sind zwei jugendliche Geschwister, deren bisheriger Lebensinhalt sich ausschließlich um Spaß und Drogenkonsum dreht. Bei der Wahl ihrer Rauschmittel sind sie weder zimperlich noch wählerisch und nicht nur in diesem Punkt begegnen sie dem Leben mit großer Naivität. Irgendwann wird es den Eltern und der Polizei jedoch zu bunt, und die beiden werden in ein Heim gesteckt. Das Ziel ist natürlich ihre Resozialisierung, die Mittel dort jedoch, gelinde gesagt, ungewöhnlich. Geleitet wird das Heim von der schrulligen Frau Hag, eine gewisse Ähnlichkeit zur warzennasigen Figur aus dem Originalmärchen ist wohl eher nicht zufällig gewählt...
Ihre Bediensteten sind Feen und statt eines Wachhundes hält sie einen Wachdrachen, ein nettes Tier, solange man ihm nicht seine geliebten Marihuanablüten wegmampft. Schnell merken die beiden Kinder, dass hier alles anders ist und schwanken zwischen Anpassung und Fluchtgedanken. Doch die Lage spitzt sich zu...
Dieser Band zielt eindeutig auf ein jugendliches Lesepublikum ab. Inhaltlich behandelt es Themen, die für eine solche Altersgruppe von Interesse sein können und die Protagonisten bieten Identifikationspotential, wenn auch natürlich überspitzt. Hans und Grete verhalten sich störrisch, biestig, aber manchmal doch auch ganz emotional, klein und schreien nach Mitgefühl - typisch pubertär eben. Immer dabei ist ein leicht humoristisches, manchmal sogar sarkastisches Element, was ein bisschen Witz in das eigentlich ernste Thema bringt. Auch der Hausdrache Bodo lockert das Ganze sehr auf, er ist definitiv meine Lieblingsfigur in diesem Buch.
Die Idee des gesamten Themas gefällt mir gut und trifft einen wichtigen Aspekt des Erwachsenwerdens: Wie gehe ich mit all den Angeboten um, die ich annehmen kann, aber besser nicht sollte?
Der Schriftstil ist klar strukturiert und relativ schnörkellos gehalten, auch dies dürfte eine jugendliche Zielgruppe ansprechen. Die Handlungen der Protagonisten spiegeln ihren Charakter sehr passend wieder, alles bleibt ein bisschen klischeehaft stereotyp, was mir für eine Märchenadaption gefällt und wahrscheinlich auch ein bisschen der Kürze der Geschichte geschuldet ist.
Einen Kritikpunkt habe ich jedoch: Das Ende. Ganz subjektiv gefällt es mir einfach nicht, ich hätte mir einen anderen Ausgang der gewünscht. Aber selbst wenn man diese persönlichen Präferenzen außer Acht lässt, kommt es einfach zu plötzlich und zu abrupt, ich hatte das Gefühl, einfach aus der Geschichte geworfen zu werden, ohne mit dem Lesen fertig zu sein.
Trotzdem enthält „Kein Schnee im Hexenhaus“ viele schöne, witzige Momente und ich empfehle es gerne jungen, fantasybegeisterten Lesern, vielleicht mögen sie den Schluss ja gerade besonders. Ganz viel falsch machen kann man mit diesem Buch nicht.
Ebook, Mai 2017
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