Wölfe im Märchen sind ein beliebtes Motiv und eigentlich immer sind sie die Bösen. „Ein Mantel so rot“ basiert ja auf der bekannten Geschichte um das „Rotkäppchen“, und jeder wird wissen, was mit dem Wolf dort passiert: Er frisst die Großmutter, das Kind, und am liebsten hätte er wohl auch noch den Jäger verspeist, wenn dieser ihm nicht im Schlaf den Bauch aufgeschnitten hätte.
In der Variante von Barbara Schinko spielt ebenfalls ein Wolf eine große Rolle, bzw. erstmal dessen Fell. Ob er hier auch, ganz stereotyp, nur Böses im Schilde führt, oder ob es dieses Mal ganz anders ist, werde ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten.
Sehen wir uns lieber die Rolle dieses schönen Tieres in anderen Märchen an.
Da wären natürlich die sieben Geißlein. Von wem werden sie gefressen? Natürlich vom Wolf, und auch dieser wird es hinterher bitter bereut haben, überlebt hat er nämlich am Ende ebenfalls nicht. Im Gegenteil, die kleinen Zickchen feiern seinen Tod sogar noch.
Auch die Kirche hat dazu beigetragen, dass der Wolf den Stempel des Bösen bekam, galten doch ihre Anhänger als Schafe, die vom Hirten Jesu behütet wurden, während die Ungläubigen im grauen Pelz daherkamen.
Außerdem gibt es dann da ja noch den Werwolf, einen Gestaltwandler, zur Hälfte Mensch und spätestens beim nächsten Vollmond ein reißendes Ungetier. Von frühneuzeitliche Hexenverbrennungen hat man schon viel gehört, aber auch Männer wurden vielfach Opfer der Flammen, weil man meinte, sie seien Werwölfe.
Ganz klar ist zu erkennen: Wenn ein bösartiger Sündenbock gebraucht wurde, kam der Wolf ins Spiel. Aber ist er wirklich so ein gruseliges Raubtier, oder war er es früher?
Denn eines ist sicher: In unseren Breiten kann er kaum noch Unheil anrichten, denn es gibt ihn kaum noch in freier Wildbahn. Schuld daran ist der Mensch, welcher ihn gejagt und beinahe ausgerottet hat.
Natürlich sind Wölfe Raub- und keine Kuscheltiere. Sie fressen andere Tiere und in früheren Zeiten wohl auch gerne mal ganze Schafherden. Da Wölfe im Rudel auftreten, konnten sie natürlich für großen Schaden sorgen. Dass Menschen jedoch gezielt getötet wurden, ist wahrscheinlich damals ebenfalls eher selten gewesen. Wenn allerdings ihre einzige Kuh oder mehrere Schafe gerissen wurden, entzog sich damit ihre Überlebensgrundlage, und damit schadete ihnen der Wolf dann tatsächlich sehr, unter Umständen bis hin zum Tod. Außerdem lebte Isegrim vorzugsweise im dunklen Wald, der ja sowieso schon gruselig und unheimlich war.
In der Mythologie gibt es jedoch auch ein paar andere Beispiele, so wurden die Gründer der Stadt Rom, Romulus und Remus, der Sage nach von einer Wölfin gesäugt und dem germanischen Gott Odin stehen zwei tapfere Wölfe im Kampf bei.
Warum auch immer das Tier die Menschen so beschäftigt hat, ich denke, in der heutigen Zeit gibt es keinen Grund mehr, ihn auszurotten und ich persönlich freue mich, dass sie so langsam auch in deutschen Gefilden wieder heimisch werden.
Hier findet ihr die anderen Themen der Tour:
Rotkäppchen und der Wolf - Ein Liebespaar? (2.4.17)
Rollentausch: Die Charaktere im Buch und im Originalmärchen im Vergleich (4.4.17)
Gedächtnisverlust als Reaktion auf traumatische Erlebnisse (5.4.17)
Personality-Quiz: Bist du Rotkäppchen, der Jäger oder der Wolf? (6.4.17)