Meerjungfrauen sind weibliche Fabelwesen, die (wie der Name vermuten lässt) in Gewässern leben. Sie haben einen menschlichen, wohlgeformten Oberkörper, während ihr Unterleib einem Fisch bzw. einem Meeressäuger nachempfunden ist. Die Begriffe „Nixe“, „Meerjungfrau“ und manchmal auch „Sirene“ werden oft synonym verwendet, was jedoch nicht ganz richtig ist. Sie alle stehen für bestimmte Archetypen und verkörpern Wünsche und Ideale, die deutlich voneinander abweichen.
Die Meerjungfrau ist erlösungsbedürftig, sie möchte oder muss errettet werden und ist oft seelenlos oder in irgendeiner Form verdammt. Rettung soll im Normalfall durch liebende und/oder sorgende Männer erfolgen.
Die Wasserfrau oder auch Wassermutter steht für Liebe, Schutz und Geborgenheit und ist dem Menschen gegenüber positiv eingestellt.
Nixen dagegen bringen dem Menschen Gefahr und Tod, sie ziehen unschuldige Männer in die Tiefe und gelten als extrem verführerisch.
Sie alle zählen zu den Wasserwesen und verkörpern in der Psychoanalyse den Mutterarchetyp.
Wieder anderen Ursprungs sind die Sirenen der griechischen Mythologie: Sie sind Todesdämonen, keine Wasserwesen, auch wenn dies ihr bevorzugter Lebensraum ist.
Eine solch genaue Trennung wird allerdings in vielen Geschichten und Überlieferungen nicht praktiziert, wie so oft verändern sich alte Geschichten bei jeder weiteren Erzählung und Adaption. Dies trifft übrigens auch auf das Wasserwesen in Anna Holubs Buch zu: Ich könnte nicht sagen, welche Form genau hier nun auftritt, ihr Verhalten ist weder eindeutig gut, noch eindeutig böse (was übrigens ein sehr schöner Aspekt dieser Geschichte ist).
Die älteste und uns überlieferte Meerjungfrau ist „Undine“, über sie wurde schon im 14. Jahrhundert berichtet. Auch viele Sagen ranken sich um diese Wassergeister, oft sind sie gar nicht am Meer, sondern an kleineren Gewässern im Gebirge angesiedelt, im Harz und in Schwaben zum Beispiel. Auch Achim von Arnim in „Des Knaben Wunderhorn“ hat sie thematisiert.
Die bekannteste Meerjungfrauenfigur stammt vom dänischen Märchenerzähler Hans Christian Andersen, die Rede ist natürlich von "Die kleine Meerjungfrau". Verewigt wurde sie im Wahrzeichen Kopenhagens und einiges aus diesem Märchen stand Pate für das Werk Anna Holubs.
Sehr bekannt sind auch die tschechischen Märchenverfilmungen sowie Walt Disneys Umsetzung in dem Film „Arielle die Meerjungfrau“.
Gemeinsam ist vielen dieser Geschichten, Mythen und Überlieferungen, dass sie für die weiblichen Geister schlecht enden. Ob dies in „Meerschaum“ auch der Fall ist, findet ihr heraus, wenn ihr es lest ;-)
Tag 1: Interview mit Anna Holub
Tag 2: Menschenhandel
Tag 3: Originalmärchen
Tag 4: Hier seid ihr gerade ;-)
Tag 5: Schleuser
Tag 6: Charaktercouch mit Oliver