Marion von Vlahovitis (Text), Angelika Niklas (Illustration)
Über Uneigennützigkeit und Hilfsbereitschaft
Dieses Bilderbuch ist als „Book on demand“ erschienen, und ich hoffe sehr, dass es zahlreiche Abnehmer findet. Die Geschichte ist nicht spektakulär oder innovativ, aber eindringlich und wertvoll.
Ángel lebt in den Anden, weit ab von dem Leben, welches unsere westlichen Kinder kennen. Keine Berge von Spielzeug, keine Spielekonsolen und vor allem kein „Ich will noch mehr!“ Das Einzige, worauf er sehnsüchtig wartet, ist eine Decke. Diese bekommt jeder dort, wenn er groß genug sind, um auf sie aufzupassen. Vorausgesetzt, es ist gerade eine frei, ansonsten muss man auf das begehrte Stück warten. Als Ángel endlich eine solche Decke sein Eigentum nennen kann, ist er überglücklich und sich sicher, sie niemals zu verlieren. Das tut er auch nicht, er verschenkt sie nämlich an ein neugeborenes Baby, dessen Eltern so arm sind, dass sie ihn nicht selbst wärmen können. Hier klingt ein bisschen die klassische Weihnachtsgeschichte an: Ángel wird von einem Stern zu dem Baby geschickt, dieses wiederum liegt in einer kleinen Hütte und ich denke, auch der Name des Protagonisten kommt nicht von ungefähr. Trotzdem kann diese Geschichte auch wunderbar außerhalb der Weihnachtszeit vorgelesen werden, sehr schön vermittelt sie Werte wie Hilfsbereitschaft und Dankbarkeit. Sie lädt ein, sich mit den zuhörenden Kindern über andere Lebensweisen als die eigene auszutauschen und vielleicht auch zu überlegen, wem in unmittelbarer Nähe geholfen werden kann. Gerade aktuell ein wichtiges Thema, finde ich.
Auf jeder Doppelseite gibt es ein Bild mit zugehörigem Text, diesen sogar zweisprachig (was mir leider nichts nutzt, ich kann kein spanisch und würde mir nicht zutrauen, eine Sprache vorzulesen ohne geringstes Wissen über die korrekte Aussprache ;-)). Trotzdem gibt auch dies wieder den Anreiz, sich über andere Kulturen und Sprachen auszutauschen.
Die Bilder sind kindgerecht und passend, wenn auch mir persönlich etwas zu bunt und plakativ. Sie vermitteln den Inhalt der Geschichte gut und können auch nach dem Vorlesen sicher noch für Gesprächsstoff unter Kindern sorgen. Eine schöne Idee findet sich noch abschließend in dem Buch: ein leeres Feld mit der Aufforderung, Ángels neue Decke zu malen. Er bekommt nämlich tatsächlich eine neue geschenkt, alle Dorfbewohner schneiden am Ende ein Stück ihrer eigenen Decke ab, um gemeinsam eine neue für ihn zu nähen. Die Moral ist also klar und deutlich: Hilfsbereitschaft zahlt sich aus.
Sprachlich arbeitet die Autorin mit vielen kindgerechten Wiederholungen und Aufzählungen, außerdem ist die Schrift sehr groß, so dass auch noch Erstleser an diesem Buch ihre Freude haben könnten. Ich befürchte allerdings, dass das Buch für dieses Alter schon zu „uncool“ ist, nach Aussage der Autorin hat sie es jedoch auch schon mit begeisterten Grundschulkindern gelesen.
Im Moment befindet sich das Buch in einer Neubearbeitung, es werden z.B. Informationstexte über die Anden eingefügt, was in meinen Augen noch mal eine Wertsteigerung ist.
Ich empfehle das Buch gerne allen Eltern von Vorschulkindern und werde es sicher auch selbst im Kindergarten einsetzen.
Taschenbuch, 40 Seiten, 2014
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BoD (Hier kann das Buch auch bezogen werden)
Marion von Vlahovits (Text), Niclas Treinen (Illustration)
Eine sympathische Spürnase
Die Hauptperson, oder vielmehr der Haupthund dieser Geschichte ist Gino, ein liebenswerter, verfressener, leicht großspuriger Labrador. Wie alle Hunde liebt er Spaziergänge im Wald, besonders zusammen mit seiner Hundefreundin Laila. Aber eines Tages wittern die beiden hier einen neuen, sehr unheimlichen Geruch, der sie ihnen Angst und Bange macht (was Gino natürlich nie zugeben würde). Nach diesem Schreck benötigt er erst mal eine kleine Pause, nicht ahnend, dass er im Schlaf ein noch viel größeres Abenteuer bestehen muss.
Die schöne Arabella, eine fürstliche Dalmatinerhündin wurde entführt, ein klarer Fall für Inspektor Gino. So macht er sich mit seinem Menschen und Gehilfen Luca auf den Weg, sie zu retten. Dabei stößt er auf zwei dubiose Wachmänner, die er nach ihren Schuhen „stinkender Turnschuh“ und „Stiefel“ benennt. Außerdem scheint der Wachhund Bruno noch eine wichtige Rolle bei dieser Entführung zu spielen. Ist er Freund oder Feind? Gino wird es herausfinden.
Nach so einem Abenteuer ist es natürlich kein Problem mehr, auch dem komischen Geruch im Wald auf die Spur zu kommen, auch wenn Gino vielleicht doch ein kleines bisschen Angst davor hat. Aber wer ein echter Ermittler ist, lässt sich davon nicht aufhalten und so klärt sich am Ende der Geschichte natürlich alles auf.
Witzig und kindgerecht erzählt die Autorin hier von den Abenteuern des Labradors, mir hat besonders gut gefallen, dass Gino eben nicht ganz so schrecklich perfekt und mutig ist, wie er es selbst gerne hätte. Eigentlich ist er eben ein ganz normaler Hund mit Ecken und Kanten, was ihn besonders liebenswert macht. Ein bisschen unklar bleibt der Traum um Arabella an der Stelle, als Wachhund Bruno überwältigt wurde, hier fehlen mir ein wenig Details. Danach gewinnt die Geschichte an Tempo und hat mir wieder gut gefallen. Sehr schön beschrieben ist auch Ginos kleiner Konflikt mit der Katze des Hauses, insgesamt sind die Tierfiguren als Hauptcharaktere sehr anschaulich und nachvollziehbar dargestellt.
Die Sprache ist so gewählt, dass dieses Buch vor allem für Erstleser interessant sein wird, sie ist witzig, sehr detailiert und kommt ohne schwierige Worte aus. Kapiteleinteilungen erleichtern das Lesen.
Sehr gut gefallen mir die Bilder zwischendurch. Auqarellartig und in Grautönen sind sie nicht kitschig und überfrachten das Buch nicht, zeigen aber wunderschön, wie man sich Gino und sein Leben vorstellen kann. Auch auf dem farbigen Cover ist die Spürnase verewigt.
Wer Leseanfängern eine Freude machen möchte, ist mit diesem Buch sicher gut beraten, vor allem wenn diese auch noch begeisterte Tierfreunde sind.
Ein zweiter Band über den netten Vierbeiner ist in Planung, man darf also gespannt sein, wie es weitergeht.
Taschenbuch, 113 Seiten, Februar 2015