Die Abdreher

Ruhrpottcharme trifft Mafia, IS-Terroristen und Neonazis

 

Nach den Abtauchern und den Abräumern hat Thomas Schweres hier nun den dritten Band um den Journalisten Tom Balzack abgeliefert, der auch dieses Mal mehr mit der Polizei und ihren Gegnern zu tun hat, als ihm lieb ist.

 

Die Geschichte beginnt mit 4 geköpften Personen, sichtbar ausgestellt und schön drapiert, so dass die Nachbarschaft es auch nicht übersehen kann. Als ob dies als zu lösender Fall bzw. zu schreibende Geschichte für Tom nicht reichen würde, gesellen sich schnell einige komplizierte Verwicklungen dazu, die Verbindungen aufzeigen, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. So werden hier gleich mehrere heiße Eisen angefasst, angefangen vom IS, über die Mafia bis hin zur Dortmunder Neonazi-Szene.

Wie so oft, dreht es sich letzten Endes in erster Linie um Geld und Macht, da kann man auch schon mal mit eigentlichen Feinden zusammenarbeiten und Freunde verraten. Garniert ist das Ganze wie gewohnt mit einer ordentlichen Portion Details aus Balzacks Privatleben, trotz fester Beziehung beweist er wieder mal, dass er das Schürzenjägertum nicht ganz ablegen kann. Trotzdem, oder auch gerade deswegen, wirkt er echt. Ein Protagonist mit reichlich Ecken und Kanten, die ihm zu einem authentischen Auftreten verhelfen.

Auch die anderen Figuren reihen sich hier ein, man kennt sie, kann ihre Eigenarten einschätzen und ihre Handlungen nachvollziehen. Thomas Schweres versteht es, seinen Schöpfungen einen eigenen Charakter zu geben, vor allem wohl, weil er sie sprechen lässt, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Der Ruhrpott ist in diesem Buch auf jeder Seite allgegenwärtig und bietet so ganz nebenbei einen netten Einblick in die dortige Mentalität. Einschließlich natürlich der obligatorischen Kabbeleien um den einzig wahren Fußballverein.

 

Insgesamt erschient die Geschichte sehr gut recherchiert, ich hatte beim Lesen das Gefühl, Thomas Schweres wusste ziemlich genau, worüber er schreibt. Ich hoffe allerdings, aufgrund der Brisanz der Geschichte, dass Einiges eben doch in erster Linie auf künstlerischer Freiheit beruht und die Realität nicht ganz so erschreckend ist, wie seine Fiktion.

Übrigens hatte ich auch bei der Ausgestaltung der Figuren das ein oder andere Mal das Gefühl, die Personen aus Funk und Fernsehen zu kennen... vermutlich war dies gewollt, auch wenn der Autor in der abschließenden Danksagung betont, dass reale Personen nur in Einzelteilen Pate standen. Dies und einige weitere Anspielungen auf Bekanntes geben dem Buch einen gewissen Witz, der mir sehr gut gefallen hat. Als Beispiel sei hier ein graffitfarbenes Auto genannt, welches vor einem Verlag parkt (man beachte, bei welchem Verlag das Buch erschienen ist). Kleine, feine Anspielungen, die dafür sorgen, dass man Buch genau liest und nicht nur überfliegt.

Dies ist allerdings bei der Masse an Verwicklungen auch unbedingt geboten, ich benötigte schon etwas Zeit, um mich einzulesen. Viele handelnde Figuren samt ihrer Schicksale und mehrere, eigentlich unterschiedliche Kriminalfälle sorgten anfangs für Verwirrung und ich war mir nicht sicher, ob wirklich alles bis zum Schluss aufgelöst würde. Nun, das wurde es definitiv, jedenfalls habe ich kein loses Fadenende mehr gefunden und auch die privaten Querelen wurden mehr oder weniger aufgeklärt. In meinen Augen ist das Ende sehr gelungen.

Die Spannung wird im gesamten Buch aufrecht gehalten, wenn an einer Stelle Ruhe einkehrt, knallt es an der nächsten und natürlich gerät auch der Protagonist mehrfach in Lebensgefahr, so wie es sich für einen anständigen Krimi gehört. Ein bisschen Blut fließt ebenfalls, aber so, dass es auch für weniger Hartgesottene durchaus erträglich sein sollte.

Der Schreibstil ist dem Genre und dem Lokalbezug angepasst, man weiß von vornherein, was man zu erwarten hat und wird nicht enttäuscht.

Liebe Krimifans, greift gerne zu, mit diesem Buch dürfte niemand auf die Nase fallen.

 

Autorenhomepage

 

Grafit Verlag, 2016, Taschenbuch, 280 Seiten

Die Abtaucher

Zugegeben, ein wenig Skepsis war bei dem Lesen dieses Buches dabei, handelt es sich schließlich nicht um einen Thriller, sondern um einen Regionalkrimi – und diese habe ich bisher eher stiefmütterlich behandelt. Eigentlich nur aufgrund meiner eigenen Vorurteile, Regionalkrimi klingt irgendwie immer ein bisschen nach Polizeiruf 110.
Aber gut, dieses Buch wurde mir sehr ans Herz gelegt, hat nur 220 Seiten und es ist Wochenende... kann man also mal darauf ankommen lassen.
Gesagt getan, nach anfänglichen Holprigkeiten hat es mir tatsächlich sehr gut gefallen.
Als Leser begegnet man zuallererst einem Mörder und seinem Opfer, nicht allzu detailgenau, aber die Neugierde ist geweckt. Dann finden die weiteren Hauptpersonen ins Spiel: der eher semi-erfolgreiche Journalist Tom zusammen mit seinen Angestellten Harry und Lydia, und die beiden Ermittler Spaten und Kroko. Wenn man sich an die Benutzung der Spitznamen gewöhnt hat, fällt auch das Leser leichter, anfangs war ich hiervon doch ein wenig irritiert. Der Autor scheint insgesamt eine Vorliebe für eigenwillige Nachnamen zu haben, welche sich gut zu mehr oder weniger netten Kosenamen verballhornen lassen.
Was erst mal als Mord im Sinti- und Romamillieu erscheint, entpuppt sich schnell als Fall mit deutlich größerer Reichweite und spätestens nach zwei weiteren Morden erkennt auch die Polizei, dass eine gute Zusammenarbeit mit der Presse Vorteile bringt. Letzten Endes verknüpfen sich viele lose Fäden, die zeitweise sehr verknotet sind zu einem ordentlichen, geraden Seil, nicht außergewöhnlich überraschend, aber auch nicht völlig vorhersehbar.
Sehr schön war das Ende, ich will nicht zu viel verraten, aber dies ist endlich ein Buch, wo wirklich alles aufgelöst wird (und zwar völlig nach meinem Geschmack).

Ich hatte anfangs wirkliche Schwierigkeiten, in das Buch hineinzufinden, die Szenenwechsel waren häufig, wenn auch gut strukturiert und die Personen wollten sich nicht so recht in meinem Kopf festsetzen. Im Nachhinein bin ich jedoch froh, dass Buch trotzdem weiter gelesen zu haben, spätestens ab Seite 80 war ich gefesselt und wollte wissen, wie es endet.
Einen Punkt gibt es jedoch, der mich sehr gestört hat: Markennamen in Kursiv gedruckt. Warum? Nervt beim Lesen und macht unnötig aufmerksam. Dass sich manche Produkte einfach anschaulicher beschreiben lassen, wenn man die Marke nennt, ist mir schon klar. Aber warum diese dann noch extra hervorgehoben werden muß, verstehe ich nicht.

Aber dies nur als kleinen Kritikpunkt am Rande, insgesamt eine schöne Idee, sympathische Figuren und selbst für mich als (fast) ausschließliche Thriller-Leserin gut verdaulich.

 

 

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