Max Korn

Talberg 1935

19.03.2022

 

Heyne, 400 Seiten Taschenbuch, Band 1

 

 

Klappentext:

Ein Mann, der totgeglaubt war, ist zurückgekehrt. Und einer, der gestern noch lebte, liegt mit zerschmettertem Schädel auf dem Berg.

Der Lehrer Steiner hat einen Turm bauen lassen. Angeblich für Vermessungszwecke. Doch im Wirtshaus erzählen sie sich, er beabsichtige, seine Frau dort hinunterzuwerfen. Aber dann liegt er selber unten, mit zerschmettertem Schädel und leeren Augen. Wer hat seinen perfiden Plan für sich missbraucht? Und wer erbt jetzt den Hof, den der Lehrer nie haben wollte? Seine Frau? Oder der ungeliebte Bruder, dessen Name voreilig ins Kriegerdenkmal gemeißelt worden war? Doch er kehrte zurück, und statt seines Lebens hat er nur einen Arm im Krieg gelassen – und jegliche Menschlichkeit.

Talberg ist ein kleiner abgelegener Ort am äußersten Rand der deutschen Provinz. Fernab der großen Zentren und im Schatten eines gewaltigen Berges gelegen, scheint sich hier über die Jahrzehnte hinweg das Böse immer wieder zu sammeln. Drei Romane spielen zu unterschiedlichen Zeiten in diesem Ort. Vier ortsansässige Familien bestimmen das Geschehen – wechselweise sind sie mal Opfer, mal Täter, mal Ermittler. Und natürlich sind alle Fälle miteinander verbunden …

 

Rezension:

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Das Buch wird von Beginn an von einer düsteren Stimmung geprägt, die sich im Verlauf noch steigert und nicht einmal verblasst. Dennoch fiel mir der Einstieg ein bisschen schwer und auch zwischendrin las sich das Buch immer mal wieder etwas zäh. Ich kann nicht genau sagen, woran es lag, eigentlich mag ich den beschreibenden Stil des Autors und seine Art, für die passende Stimmung zu sorgen. Trotzdem bin ich am Ende des Buches zufrieden und die Geschichte an sich hat mir gut gefallen.

Unterschwellig werden neben der Kriminalhandlung viele gesellschaftliche Missstände der damaligen Zeit angesprochen. Da wäre zum einen die Rolle der Frau, es ist erschütternd zu lesen, mit welcher Selbstverständlichkeit ihnen Gewalt angetan wurde. Aber auch das Recht des Stärkeren oder viel mehr des Reicheren ist hier auf dem Prüfstand, ebenso wie die Frage: Wie gehe ich mit dem Fremden, mir Unbekannten und vielleicht Unverständlichen um?

Obwohl das Buch 1935 spielt, ist Hitler im kleinen Talberg noch nicht allzu präsent, das Dörfchen liegt abgeschieden und es dauert, bis die Nachrichten dort ankommen. Strom gibt es noch nicht überall, Autos schon gar nicht und ein Telefon ist auch nur in einem einzigen Haus zu finden. So verwundert es nicht, dass die Dorfbewohner manchmal ein bisschen wirken, als seien sie aus der Zeit gefallen.

Die Figuren brauchten einiges an Lesezeit, bis sie sich mir erschlossen haben, ich habe sie anfangs oft verwechselt und musste zurückblättern. Bis zum Ende der Geschichte haben sie eine deutliche Tiefe entwickelt und so, wie sich auch die Taten nach und nach aufklärten, habe ich auch die Figuren kennengelernt.

Mit dem Ende bin ich rundum zufrieden, alle Fäden lösen sich auf, es wird nichts beschönigt und die Geschichte ist abgeschlossen.

Fans von stimmungsvollen, historischen Thrillern bekommen eine Leseempfehlung von mir.

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