2014, Blanvalet Verlag, 480 Seiten
"In dieser vernetzten Welt ist Kontrolle über dein Leben eine Illusion!"
Das Buch beginnt actionreich mit einem unerlaubten Video über den Präsidenten der Vereinigten Staaten: Drohnen, ausgerüstet mit Kameras filmen ihn privat und dringen sogar bis in seine Wohnung vor. Damit nicht genug, werden diese Filme auch noch life in sekundenschnelle weltweit über das Internet verbreitet.
Schnell bekennt sich eine Internetaktivistengruppe namens „Zero“ dazu, welche in erster Linie gegen das massive Ausspionieren und Sammeln von Daten im Netz vorgehen möchte.
Nach einem Szenenwechsel lernt der Leser die Journalistin Cynthia kennen, welche trotz Widerwillen gegen neue Techniken in diesem Fall recherchieren soll. Zu diesem Zweck bekommt sie eine Datenbrille, ausgerüstet mit modernster Gesichtserkennungssoftware und natürlich Internetzugang. Ihre Tochter Viola, typischer Digital Native, testet sie leihweise mit ihren Freunden, was zu einem unerwarteten Unglück führt.
Viola ist außerdem ein aktiver Nutzer von Apps der jungen Internetfirma „freemee“. Diese bringt ihre User dazu, sämtliche persönlichen Daten freiwillig zu sammeln und ins Netz zu stellen, um diese dann zu verkaufen. Nebenbei wird so ein Nutzerprofil, basierend auf persönlichen Wertvorstellungen, erstellt und dieses wiederum für Ratgeberapps genutzt. Diese Apps machen den Usern Vorschläge, wie sie ihr Leben bestmöglich optimieren können, wie sie zu besseren Noten kommen, bei der Clique angesagter werden etc. Wie „gut“ man sich dann verhält, wird in sogenannten öffentlichen Rankinglisten dargestellt.
Was erst noch wie ein relativ harmloses Spiel klingt, weitet sich schnell zu einem immer größeren Skandal aus, bis hin zu massiven Manipulationen und Mord.
Welche Rolle Zero dabei spielt, offenbart sich erst langsam.
Der Autor schreibt in seinem Vorwort, die Geschichte an sich sei fiktiv, die heutige Technologie aber durchaus zu den beschriebenen Szenarien in der Lage.
Gut, meine Kenntnisse über Computer- und Internettechnologie reichen nicht sehr weit, aber für mich klang das Ganze doch immer ein wenig nach Sciencefiction. Dies tat der Geschichte jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil. Soweit ich es nachvollziehen kann, ist alles sehr gut recherchiert und hat mich mehr als einmal sehr nachdenklich gemacht. Volle Punktzahl also für die Idee des Autors.
Leider wurde mein Lesevergnügen doch sehr geschmälert durch die mangelnde Struktur des Buches. Es gibt keine Kapiteleinteilungen, dafür aber sehr häufige und schnelle Szenenwechsel. Dies verbunden mit einer Vielzahl an beteiligten Personen, in verschiedenen Orten und Funktionen hat mich mehr als einmal ziemlich verwirrt. Netterweise hat der Autor auch ein Personenverzeichnis in das Buch aufgenommen, leider aber erst am Ende des Buches...da war es für mich nutzlos. Zum Schluß hatte ich das Gefühl, immer noch einige lose Enden in meiner Hand zu halten, die sich irgendwie nirgendwo so recht anknüpfen ließen.
Insgesamt fehlt es dem Buch massiv an Tiefe, an der Ausgestaltung der Personen, was gerade aufgrund der tollen Story-Idee extrem schade ist.
Fazit: Ein Werk, das mir bestimmt aufgrund seines Inhaltes länger im Gedächtnis bleiben wird und über dessen Aussage ich noch länger nachdenken werde. Aber ein pures Lesevergnügen ist es nicht.