Dieser Thriller wirft ethische Fragen auf, die man so schnell nicht vergisst.
Der talentierte und überaus intelligente Programmierer Jeff hat schon früh entdeckt, dass die Welt der Computer ungeahnte Möglichkeiten bietet. Er entwickelt Programme für selbstfahrende Autos, und was erstmal gar nicht so ungewöhnlich klingt, wirft schwierige Fragen auf: Wie genau soll das Auto reagieren, wenn sich ein Unfall nicht vermeiden lässt? Wen überfährt es im Zweifelsfall, den einflussreichen Politiker oder den armen Familienvater von drei Kindern? Was anfangs nach einer spannenden Herausforderung für Jeff aussieht, entwickelt sich schnell zu einem großen Problem, bei dem er an seine moralischen Grenzen stößt. Die Chance auszusteigen wird ihm jedoch verwehrt, als sich die CIA einschaltet. Spätestens jetzt ist sein Leben sowie das seiner Familie völlig unter Kontrolle, und auch wenn es ihm gar nicht bewusst ist: Freie Entscheidungen trifft er schon lange nicht mehr. Als dann noch sogenannte Social-Rating-Chips eingeführt werden, wird die Sache für ihn noch komplizierter. Diese werden nach und nach der gesamten Bevölkerung unter die Haut gepflanzt, ohne dass diese wissen, was genaus dahinter steckt. So lassen sich alle Menschen katalogisieren und nach Wichtigkeit und Staatsinteresse bewerten. Eine gruselige Vorstellung, nicht nur für mich als Leser.
Das Thema des Buches hat mich sehr fasziniert, und hier hat die Autorin auch ganze Recherearbeit geleistet. So utopisch ihre Ideen auch auf den ersten Blick erscheinen, ganz abwegig sind sie in unserer schon jetzt fortgeschritten digitalisierten Welt nicht, und die Fragen die sich hier stellen, werden vielleicht auch irgendwann mal reale Philosophen und Politiker beschäftigen.
Noch erschreckender als das Thema der selbstfahrenden Autos finde ich hierbei die implantierten Chips, bzw. das daraus resultierende Bewertungssystem der Menschheit. Hoffentlich kommt es niemals soweit, dass wir wirklich in ein Rankingsystem einsortiert werden.
Nicht nur die Geschichte dieses Buches ist innovativ, auch ihre Gestaltung. Als das Ganze nämlich eigentlich schon zu einem Ende gefunden zu haben scheint, erfolgt noch einmal ein kompletter Perspektivenwechsel, der andere Sichtweisen aufzeigt. Dies mochte ich sehr.
Trotzdem gibt es leider einen Punkt, der mir überhaupt nicht gefallen hat: Das Ende. Es lässt viele Fragen offen und knüpft auch nicht wirklich an den Prolog an. Dafür wird gleich auf den zweiten Band verwiesen, und dies finde ich sehr schade. Das Buch ist nicht so lang, dass man es in zwei Teile hätte splitten müssen, will man aber das Ende der kompletten Geschichte erfahren, kommt man um Band zwei nicht herum.
Bei den Protagonisten hatte ich anfangs Schwierigkeiten, sie kennenzulernen, die Autorin springt hier manchmal ziemlich schnell hin und her. Nach einiger Zeit hatte ich mich jedoch eingelesen und dem weiteren Lesevergnügen stand nichts mehr im Weg. Die Beziehungen der Figuren untereinander sind eigenwillig, ich finde dies aber hier ganz passend. Jeff als Protagonist ist eben kein ganz gewöhnliche Mann von nebenan und die CIA-Agenten schon gar nicht. Da sind ein paar Macken und Besonderheiten sogar wünschenswert, was die Autorin gut gelöst hat. Natürlich gibt es auch Tote, denn auch wenn es makaber und vielleicht bösartig klingt: Von einem Thriller erwarte ich das, gerade das Lebensdrohende macht ja oft die Spannung aus. Und auch wenn leider Menschen sterben, die völlig unschuldig sind, hat die Autorin hier in meinen Augen alles richtig gemacht.
Der Schreibstil ist angenehm und professionell, das Buch ließ sich zügig lesen und es gab keine schwierigen Stolperfallen.
Zusammenfassend kann ich das Buch mit ruhigem Gewissen empfehlen, insbesondere Thrillerleser, die mal etwas ganz Anderes mögen, sind hier gut aufgehoben.
Verlag 3.0, 230 Seiten, November 2016
Zur Autorin
Hallo!
Ich liebe Utopien, die auf den ersten Blick nach ferner Zukunft aussehen. Die selbstfahrenden Autos gibt es ja bereits. Wenn auch noch nicht in dem beschriebenen Ausmaß.
Die Social Rating Chips fand ich richtig gruselig. Da man damit, aber ganz nüchtern betrachtet Geld sparen kann und vielleicht sogar eine "Elite" heranzüchten kann, bin ich überzeigt, dass die auch bald kommen werden. Technische denke ich, wäre es bereits problemlos möglich.
Lg Sabrina von lesefreude