Herausgeberin: Anne Amalia Herbst
Weitere Autoren: Tanja Schierding, Gideon Born, Lily Novak, Kaya T. Nova, Kate Dark, Fabian Santner, Anja und Manuel Hansen, Ariane Rühr und Gregor Eder, Kate Peters, Jean Luc, Arndt Waßmann, Kathrin Melan.
London im Jahre 1897: Lord Archibald Cundringham steht kurz vor der Eröffnung seines gerüchte-umwobenen Etablissements „Aethernanox“. Einen Ort der Lust, der Erotik und des wohligen Schmerzes will er hier erschaffen und hat zur Eröffnung mehrere international bekannte Steam-Master eingeladen. Sie alle haben sich mit der Erfindung bahnbrechender Gerätschaften einen Namen gemacht und gehören einem geheimen Zirkel an, bei dem nicht nur die körperliche Lust eine große Rolle spielt, sondern auch etwas viel Größeres: Die Erhaltung der Weltordnung bzw. die Überwachung der unterirdischen Ammoniten, die durch sexuelle Energie gespeist werden. Oder auch durch Todesopfer.
Dies lässt den bedauerlichen Unfall, kurz vor dem Eröffnungstag, in einem ganz anderen Licht erscheinen: Was steckt wirklich hinter dem Sturz durch das Dach, der einem der Master das Leben kostete und wer spielt welches Spiel? Und was hat es mit der mysteriösen Krankheit des Lord Cundringham auf sich, die ihn immer wieder unter eine geheimnisvolle Maske zwingt?
Dieses Buch basiert auf einer Anthologie-Ausschreibung. Die Geschichten der einzelnen Steammaster wurden von unterschiedlichen Autoren erschaffen und schließlich von Anne Amalia Herbst zu einem Ganzen zusammengefügt, d.h., dieses Buch beinhaltet tatsächlich nun einen Roman, keine klassischen Kurzgeschichten. Trotzdem ist durch Kapiteleinteilungen klar erkennbar, wer welchen Teil geschrieben hat. Die Idee dahinter gefällt mir sehr, schon vor dem Lesen war ich sehr gespannt, ob es funktionieren würde, verschiedene, unabhängig voneinander geschriebene Geschichten so zusammenzufassen, dass sie ein rundes Bild ergeben. Nun, dies ist definitiv gelungen.
Mir liegt die elektronische Variante vor, in dem gedruckten Werk befinden sich zusätzlich noch Fotografien der Künstler Robert und Michaela Kainz, die das Ganze sicherlich noch einmal aufwerten, das Cover lässt zumindest drauf schließen.
Der Schreibstil ist tatsächlich unterschiedlich, wenn auch nicht sehr deutlich erkennbar. Nach wie vor bin ich ein großer Fan von Anne Amalia Herbst und finde auch hier, dass ihre Zwischenbeschreibungen und Zusammenfügungen am schönsten ausformuliert sind.
Dieses Buch ist natürlich auf die Steam-Punk-Thematik ausgelegt, deswegen ganz anders als ihre Banfhile-Chroniken, die sich ja eher in der Fantasy angesiedelt haben und deutlich gefühlvoller daherkommen. Dieses Gefühl ist es tatsächlich auch, was mir in dem Buch ein bisschen gefehlt hat, wirklich mitfiebern konnte ich nicht mit den Figuren. Die Geschichte dreht sich schon deutlich mehr um Erotik und sexuelle Handlungen in verschiedenen Varianten, als um emotionale Bindungen. Wer solche Themen nicht mag, sollte demnach lieber die Finger von diesem Werk lassen.
Die technischen Ideen, die die unterschiedlichen Autoren haben einfließen lassen, gefielen mir wiederum, ebenso wie die Beschreibungen der kunstvollen Kostüme und Bekleidungen. Gerade weil ich mich im Bereich des Steam-Punks gar nicht auskenne, las es sich spannend und interessant. Auch hier dreht es sich natürlich weitestgehend um Gerätschaften, die sich für verschiedene sexuelle Aktivitäten einsetzen lassen, ein Höllenpferd zum Beispiel oder gar eine ganze Strafarena. Oberstes Thema ist dabei immer das lustvolle Schmerzempfinden in gegenseitigem Einverständnis.
Wie schon gesagt: Dieses Buch wird nicht jedermanns Sache sein und auch mir waren es zu viele Sexszenen, die Raum nahmen für weitere Tiefe und Emotionalität. Trotzdem überwiegt die gute Idee und die schöne Umsetzung, zusammen mit einem guten Sprachstil, sodass ich das Buch dennoch gerne gelesen habe.
Lysandra Books, 336 Seiten (Hardcover oder Ebook), 2017
Die Geschichte des Darklords und seiner Maid Anne – Mr. Grey für Erwachsene
Zugegeben, eine Rezension mit eine Hinweis auf ein anderes Buch zu beginnen, mag nicht besonders klug sein, insbesondere, wenn es sich um ein derart polarisierendes Werk handelt wie das mit den 50 Schatten. Aber der Vergleich liegt nun mal nahe, für mich ist „Zwillingsseelen“ eine Mischung zwischen der Biss-Reihe und Shades of grey. Allerdings mit einem großen, bemerkenswerten Unterschied: „Zwillingsseelen“ ist bedeutend anspruchsvoller und schöner geschrieben.
Aber zuerst kurz zum Inhalt. Vorliegendes Buch ist schon der zweite Band der Banfhile-Trilogie und führt die Geschichte um Anne und ihren Darklord fort. Es ist auf jeden Fall sinnvoll, Band 1, „Nachtstimmen“, zuerst zu lesen, um der Geschichte folgen zu können.
Protagonistin Anne ist eine wohlsituierte Frau in den 30igern, erfolgreich im Beruf und derzeit im Erziehungsurlaub mit Kind Nr.3. Wohnhaft in Berlin verkörpert sie das Bild einer erfolgreichen, modernen Frau. Hinter der Fassade kämpft sie jedoch mit ihrer Unzufriedenheit: Ihre Ehe ist schon lange nicht mehr so rosig und die Langeweile ohne Job verhilft auch nicht gerade zu einem erfüllten Leben. Auszeiten findet sie in virtuellen Rollenspielen, über die sie schließlich auch weitergehende Kontakte knüpft. Zum einen zu dem mysteriösen Darklord, der eine immer gewichtigere Rolle in ihrem Leben spielt und sich auch massiv in die Realität schleicht. Außerdem zu einer Frau namens Freya, auch deren Rolle ist nie ganz geklärt, geschweige denn, die Identität der anderen Mitspieler.
Gewürzt ist das Ganze mit einer ordentlich Portion Erotik, sehr angenehm zu lesen, ohne irgendwann billig zu wirken. Wie oben schon geschrieben: Die beiden Vergleichsbücher sind für kleine Mädchen, die Banfhile-Chroniken für große.
Die gesamte Geschichte spielt an verschiedenen Orten, Zeiten und in verschiedenen Realitäten, spannend bleibt dabei immer die Frage: Was ist denn überhaupt Realität? Nur das Leben in Berlin? Die virtuellen Welten? Der Darklord? Und wie kann es sein, dass sich Träume in das „echte“ Leben auswirken?
Schließlich gibt es dann da ja auch noch das merkwürdige Cottage in Irland, Banfhile, bewohnt von ihrer Freundin Freya. Anne besucht sie dort, in der Hoffnung, ein bisschen mehr Licht in das Chaos ihres Lebens zu bringen. Nun, diese Hoffnung wird sich eher nicht erfüllen, sie glaubt, vollends den Verstand zu verlieren und der Leser wird in ein Land entführt, in dem nichts ist, wie es scheint.
Dieser zweite Band der Trilogie ist deutlich Fantasy-lastiger als der erste, allerdings trotzdem (oder gerade deswegen) eine konsequente Fortführung. Eigentlich ist es eine Liebesgeschichte voller Magie und in einer zauberhaften Sprache verfasst, ein phantastisches Märchen, mit allem, was dazu gehört. Der Autorin ist es gelungen, ihre verschiedenen Welten so genau darzustellen, dass man mitten drin zu sein scheint, immer passt sie ihren Schreibstil der Szene genau an. Die Rollenspielsequenzen sind klar abgegrenzt und gehen wenig in die Tiefe, so wie es bei dieser Art Spielen üblich ist. Die Chatszenen zwischen Anne und dem Darklord dagegen sind gefühlvoll und bildlich beschrieben, während Banfhile in Irland grün, klein und verwunschen vor meinem Auge erschien. Verweilt der Text dagegen gerade wieder in Berlin, erscheint er nüchtern und eher kalt.
Bis die Grenzen zwischen allen Welten verwischen und Leser und Protagonistin verwirrt und verhext zurückgelassen werden.
Nach dem Lesen dieses Buches ist mir wieder bewusst geworden, warum ich mehrbändige Reihen eigentlich erst lese, wenn auch der letzte Band erschienen ist: Ich bin ein ungeduldiger Mensch und muss nun noch mindestens ein Jahr auf den Ausgang der Geschichte warten. Trotzdem habe ich es in keinster Weise bereut, die ersten Bände gelesen zu haben: Es lohnt sich definitiv, Fantasy-Liebhaber werden hieran ihre Freude haben, insbesondere die weiblichen unter ihnen. Von mir gibt es eine klare und deutliche Kaufempfehlung.
Website der Autorin
Website des Verlags Lysandra Books
ebook, geschätzte Seitenzahl laut Amazon 363, 2016, Lysandra Books