Ein Regionalkrimi mit vielen Irrungen und Wirrungen
Ein renommierter, wohlhabender und einflussreicher Architekt wird erschossen aufgefunden, ebenso wie zwei Mitarbeiterinnen seiner Firma. Alles sieht nach einer gnadenlosen Hinrichtung aus und im Laufe der Geschichte zeigt sich auch schnell, dass der ermordete Olaf Bock mindestens ebenso viele Feinde wie Freunde hatte. Die Ermittlungen bringen nicht nur trauernde Angehörige ans Licht, sondern auch einige Menschen, die über Bocks Tod tatsächlich eher erfreut sein dürften. Immer mehr Tatverdächtige schieben sich ins Bild, ihre potentiellen Motive variieren von Hass über Rache zu Macht- und Geldgier. Der Begriff „Korruption“ verfestigt sich schnell im Kopf des Lesers, aber ob dies wirklich das wahre Mordmotiv war? Als noch weitere Menschen ums Leben kommen, müssen die beiden Ermittler Lina und Christoph beinahe wieder von vorne beginnen, und nichts bleibt so, wie es anfangs schien.
„Der Tod vergisst nie“ ist ein solider Kriminalroman, dessen Geschichte vorrangig in der Gegend um Erfurt spielt. Die Handlung an sich und die verarbeiteten Ideen haben mir gut gefallen, und als Leser tappt man lange Zeit genauso im Dunkeln wie die Protagonisten selbst. Viele Details, insbesondere in der Ermittlungsarbeit, beschreibt der Autor sehr genau und bildlich, ich vermute, hier steckt eine große Portion Recherchearbeit dahinter. Manchmal wäre ein bisschen weniger jedoch vielleicht mehr gewesen, einige Erzählstränge bauen sich sehr spannend auf, führen dann jedoch nicht weiter. Sicherlich, sie sind für den Mordfall schließlich im Nachhinein auch nicht relevant, trotzdem bleiben Verbrechen ungesühnt. Aber gut, so bleibt eventuell Stoff für einen zweiten Band.
Bei den Figuren benötigte ich eine geraume Zeit, um sie kennenzulernen, anfangs hatte ich große Probleme, mich in ihre Handlungsweisen hineinzuversetzen oder auch nur, sie beim Lesen auseinanderzuhalten. Der Autor beschreibt zwar sehr detailreich ihr Aussehen, aber ich hatte anfangs das Gefühl, ihnen beim besten Willen nicht in den Kopf gucken zu können. Dies legte sich im Verlauf der Geschichte, vor allem die beiden Hauptermittler bzw. die Ermittlerin haben es dann doch irgendwann geschafft, dass ich sie kennen und mögen gelernt habe. Beide entwickeln sich zu eigenen Charakteren, die mitsamt ihrem Privatleben ein rundes Bild abgeben. Manchmal ein bisschen viel typisches Krimi-Klischee, aber ich mag es so.
Der Schreibstil gefällt mir ebenfalls gut, und hier möchte ich mal ein Klischee verwenden: Der Stil klingt für mich typisch männlich ;-) Es gibt viele Details und Beschreibungen, flüssig zu lesen und mit einer eine passenden Auswahl an Fremdwörtern. Aber bis die Gefühle bei mir als Leser angeregt wurden, dauerte es ein bisschen. Um es nochmal klar zu sagen: Dies ist für mich kein Negativpunkt, allerdings auffällig und man sollte wissen, worauf man sich einlässt.
Das Ende des Buches hat mir sehr gut gefallen, es gibt einen schlüssigen Abschluss von mehreren möglichen.... aber ob es ein endgültiges Ende ist? Lest selbst.
Eine Kaufempfehlung bekommen Krimi-Fans von mir, das Buch ist insgesamt spannend zu lesen und an einem verregnen Wochenende sicher ein schöner Begleiter.
Erhältlich als Ebook sowie Taschenbuch (352 S.); Februar 2016, Divan Verlag
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