Geboren bin ich 3 Jahre nach dem Krieg, war 4 Jahre bei den Soldaten – letzter Dienstgrad: Leutnant. Habe nach meiner Entlassung den Kriegsdienst verweigert, habe dann 3 Jahre lang studiert, um Lehrer zu werden, wurde Lehrer, bin aber nach 4 Jahren aus dem Schuldienst ausgeschieden, um mit meiner Frau zusammen in der Gastronomie unternehmerisch tätig zu werden. Kneipenwirt,
Restaurantbetreiber, Diskothekenwirt – das ganze ca. 25 Jahre lang.
Schwerer, aber schöner Beruf.
Bin nach einigen anderen Unternehmungen seit 7 Jahren Pensionär, reise viel mit meiner Frau zusammen durch die Welt, fotografiere gern und viel, singe als Gastsänger in einer Band - und schreibe also. Bei dem, was ich schreibe, kann ich auf meinen reichen Erfahrungsschatz nicht verzichten. Meine Bücher haben also oft auch autobiografischen Charakter. Um meine Ideen lediglich aus dem, was meine Phantasie mir anbietet, zu schöpfen, habe ich zu wenig davon – von der Phantasie, meine ich. Ich bin also eigentlich ein phantasieloser Autor.
Und ich bin also zu alt für einen Verlag, der sich ja mit mir, der ich erst vor 7 Jahren angefangen habe, ernsthaft zu schreiben, keine große Zukunft ausrechnen würde oder könnte. Oder beides. Außerdem kann ich mit der Erfindung von Serienromanen nicht viel anfangen. Ein zusätzliches Manko also, das Verlage abschrecken könnte.
Und so blieb mir nach ca. 10 Bewerbungen, die ich an – vielleicht zu große – Verlage bzw. Agenturen versandt habe, und 10 manchmal sogar ganz netten Absagen und aus Mangel an Alternativen nichts anderes übrig, als mich für das Selfpublishing zu entscheiden, und schlingere nun also mit meiner Schreiberei in diesem berühmt-berüchtigten Haifischbecken, Amazon genannt, wie viele andere meiner Schwestern und Brüder umher. Mit miesem Erfolg.
Denn das, was einen guten Verlag ausmacht, muss ich jetzt ja selbst leisten, das Marketing. Und hab´ so grässlich wenig Ahnung davon. Zudem fehlt mir neben dem Fachwissen die Energie, die ich aufwenden müsste, damit ich mir eben diese mangelnde Ahnung erarbeiten könnte, um meine Ergüsse erfolgreich an die Frau zu bringen. Ab und an verkaufe ich ein Exemplar. Aber von dem Traum, den ich zu Beginn meiner Schriftstellertätigkeit hatte, mit meinen Büchern einige Zentimeter oberhalb der Kreisklasse mitzuspielen, bin ich meilenweit entfernt.
Es will kein Ende nehmen mit dem Schlechtreden der Umstände, die mein Schreiben bestimmen. Ich komme nämlich mit folgendem Phänomen ebenfalls nicht klar, das ich Genre-Wut nennen würde. Sicher: Es hat zu jeder Zeit eine große Vielfältigkeit in der Literatur gegeben. Aber im Vergleich dazu geht die Zahl heutiger Gattungen und Untergattungen "auf keine Kuhhaut" mehr. Wenn ich dann wenigstens in einer der angesagten Abteilungen tätig wäre, wie beispielsweise "Contemporary", "Romance", "Cyperpunk", "Dystopie", "Steampunk" und "Fantasy", "Fantasy", "Fantasy", wäre meine Schreiberei vielleicht ungleich erfolgreicher. Ich schreibe deutlich am Markt vorbei.
Aber soll ich denn mein Mäntelchen nach dem Wind hängen? Muss ich mit den Wölfen heulen? Abgesehen davon, dass ich das bestimmt nicht gut könnte, wäre dann ja immer noch das Problem des Marketings nicht ausgeräumt. Die Lage ist prekär.
So sind also unter diesen subjektiv ungünstigen Bedingungen bisher sechs ziemlich unterschiedliche Bücher bzw. Büchlein entstanden: Ein Kurzgeschichtenband, zwei Gedichtbände, eine Novelle und zwei Romane, die ich alle sowohl als E-Book als auch als Taschenbuch bei Amazon hochgeladen habe.
Probelesen, Lektorat, Korrektorat und Covergestaltung habe ich ebenfalls selbst zu verantworten. Das allerdings ist dann auch eine Folge fehlenden Vertrauens und fehlender Bereitschaft, Geld locker zu machen, letztlich aber auch meinem Selbstverständnis und meiner Scheu geschuldet. Ich würde schon gern so vernetzt sein und quirlig wie andere es sind, was ich allerlei Äußerungen meiner Mitbewerber entnehmen kann. So bleibe ich also Einzelkämpfer, worüber ich mich aber nicht beschweren will.
Ich will mich überhaupt nicht beschweren. Ich finde es lediglich gut und wichtig, den Schilderungen anderer Autoren, die oft so professionell und positiv "rüberkommen", einmal eine etwas andere Sichtweise entgegenzusetzen.
Und es ist beileibe nicht so, dass ich – wie bei vielen Kollegen offensichtlich der Fall – das Schreiben wie die Luft zum Atmen bräuchte. Nein! Aber ich schreibe gerne. Ich habe Freude daran, unter Umständen stundenlang an der Formulierung eines Satzes zu feilen oder das richtige Wort zu finden. Natürlich zieht sich diese zeitliche Komponente nicht durch die gesamte Herstellung eines Manuskripts. Da würde ich beim Schreiben eines längeren Textes dann doch zu viel Zeit verplempern.
In dem Zusammenhang muss ich feststellen, dass im Allgemeinen wohl nicht sehr viel Wert auf einen einigermaßen guten Schreibstil gelegt wird – mal abgesehen davon, dass die Frage im Raum steht, was denn guter Schreibstil sei. Aber es gibt sicherlich einige wichtige und unveräußerliche Kriterien.
Am 10.Juli ist mein zweiter Gedichtband erschienen – und zwar mit Gedichten, die wirklich sowas von am Markt vorbei geschrieben sind, dass ich mich nicht beklagen muss. Ich arbeite jetzt an einer Sammlung von Kurzgeschichten, die alle mehr oder weniger dem Genre "Horror" zuzuordnen sind.
Um wenigstens ein klein wenig mehr Beachtung zu finden, habe ich an einigen Wettbewerben teilgenommen, und immerhin sind auf dem Wege zwei meiner Geschichten in Anthologien erschienen. Geht doch!
Schöne Grüße an alle Kollegen und Leser
Hermann Markau
http://www.hermann-markau.jimdo.com/