Mittlerweile hat sich das Konzept der Krimiwoche 2016 zwar wahrscheinlich herum gesprochen, trotzdem hier nochmal ganz kurz, worum es geht: Einige „Buchmenschen“, allen voran die Agentur mainwunder und der Autor Leif Tewes hatten die Idee, ein Krimifestival zu starten. Nichts Neues eigentlich, in dieser Form aber schon: Das Ganze sollte nämlich komplett ortsunabhängig online stattfinden. Tja, daraus ist nun eine wunderbare Krimiwoche entstanden und heute, am 15.6.16, sind wir mittendrin. Nähere Infos zu den Beteiligten und zum Programm findet ihr auf www.krimiwoche.de.
Im Rahmen dieses Festivals habe ich die Möglichkeit bekommen, einen Autor oder eine Autorin vorzustellen und mich sehr schnell für Felix Leibrock entschieden. Gut, seine Bücher kannte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, aber erstens gehen Krimis und Thriller (fast) immer und zweitens hat mich sein Onlineauftritt sehr schnell davon überzeugt, dass ich mehr von ihm lesen will.
Meine ersten Gedanken zu ihm waren: „Cool, der wirkt ja mal echt sympathisch“ und gleich danach: „Hä? Was macht denn der noch alles neben dem Schreiben?“
Geboren wurde Felix Leibrock 1960 in Neunkirchen und lebt heute in München und Weimar.
Seine Vita liest sich umfangreich und spannend: Er studierte Germanistik, Geschichte und evangelische Theologie und arbeitete als Pfarrer, Antiquariatsbuchhändler, Stadtkulturdirektor und Sprecher beim MDR.
Aktuell ist er Mitglied beim Syndikat (einer Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur), Geschäftsführer beim evangelischen Bildungswerk München, Botschafter von BlaBlaCar, Seelsorger bei der Polizei, Teeausfahrer bei der Münchner Obdachloseninitiative, Moderator einer Literatursendung im Privatfernsehen (Weltkanal), Verfasser von Zeitungsartikeln und Libretti... mal ehrlich, damit sind eigentlich schon sieben Tage einer Woche gefüllt. Trotzdem hat Felix Leibrock es auch noch geschafft, zwei Krimis zu schreiben, die mich sehr beeindruckt haben (mittlerweile habe ich sie gelesen ;-)):
Diese sind natürlich der Hauptgrund für den heutigen Artikel, ich freue mich sehr darüber, dass er sich meinen Fragen gestellt hat. Hier also nun:
Bitte beschreibe dich mit drei Worten.
Krimipfarrer, Realist, Romantiker
Bis jetzt kenne ich nur „Todesblau“ („Eisesgrün“ wartet jedoch schon auf mich), das Buch wirkt für mich sehr gut recherchiert. Ich denke da zum Beispiel an die Weimarer Kunstszene, an die Verhältnisse in den Kinderheimen der ehemaligen DDR oder auch Einzelheiten bezüglich der polizeilichen Ermittlungsarbeit. Wie genau gehst du bei deinen Recherchen vor? Bist du eher vor Ort und sammelst Informationen oder benutzt du vorzugsweise das Internet, Bücher etc.?
Ich bevorzuge direkte Gespräche. Ich habe viele Kontakte zur Polizei, privat und beruflich. Das hilft mir beim realistischen Beschreiben der Ermittlungsarbeit. Aber auch sonst spreche ich Experten und Zeitzeugen an. Bei Todesblau habe ich mit Nachfahren von Künstlern des Bauhauses in Weimar gesprochen, bei Eisesgrün musste ich eine Leiche auf besondere Weise tiefgefrieren, da half mir ein Ingenieur für Kältetechnik, für eine Herzoperation habe ich einen Kardiologen befragt …
Finden sich in deinen Figuren autobiographische Züge wieder?
Mein Ermittler Sascha Woltmann hat ein Trauma. Er findet in seiner Zeit als Berliner Streifenpolizist eine Frau mit Schlaganfall in einer Wohnung vor, daneben der demenzkranke und hilflose Ehemann. Das habe ich so ähnlich bei meinen Eltern erlebt. Ansonsten sind autobiographische Züge selten. Das Leben anderer Menschen ist spannender als das eigene.
Wie wichtig ist für dich Kritik und wie gehst du damit um?
Wenn berechtigt, nutze ich sie als Korrektiv.
Bücher müssen beworben und vermarktet werden, damit Leser sie überhaupt erstmal finden können. Du bist aktiv in den Medien und in den sozialen Netzwerken. Ist dies für dich eher eine Pflicht, die zum Schreiben dazu gehört oder Kür, die das Ganze erst wirklich interessant macht?
Ich werbe gerne. Mein Hauptmedium ist, neben meiner Literatursendung bei einem privaten Fernsehsender, mein Auto. Ich bin viel auf den Straßen unterwegs. Und wenn die Leute dann mein Auto mit den Buchcovern und dem Schriftzug „Krimipfarrer“ sehen, hupen sie, winken oder scannen den QR-Code. Ich bin mittlerweile auch Spezialist für strategisches Parken.
Welches Genre bevorzugst du als Leser oder auch welche Autoren/Autorinnen?
Alles, was neu an belletristischer Literatur auf den Markt kommt. Auch das, was mich ärgert, schlecht geschrieben ist, mir nicht gefällt. Ich stelle seit zwanzig Jahren jedes Jahr Dutzende Bücher bei meinen Veranstaltungen vor (www.felixleibrock.de). Die Lieblingsautoren und – autorinnen wechseln oft wöchentlich.
Warum schreibst du?
Weil ich beim Schreiben mich selbst vergesse. Das ist Glück.
Wenn du eine perfekte Welt erfinden würdest, wie sähe sie aus?
In dieser Welt sieht jeder im anderen nur den Menschen und steht ihm bedingungslos zur Seite, wenn der oder die andere in Not gerät
Wie sehen deine Pläne für die nächste Zukunft aus, wird es weitere Krimis um Sascha Woltmann und Mandy Hoppe geben?
In diesem Sommer schreibe ich den nächsten Band. Im Titel spielt wieder eine Farbe eine Rolle. Blau ist es nicht, grün auch nicht.
Lieber Felix,
vielen Dank für deine interessanten Antworten und wie schon geschrieben: Ich hoffe sehr, bald die nächste Geschichte um Sascha Woltmann lesen zu können! Ich behalte dich im Auge ;-)
Liebe LeserInnen,
auch an Euch ein dickes "Danke schön" für das Lesen des Artikels und noch ganz viel Spaß im weiteren Verlauf der Krimiwoche. Felix Leibrock hatte mich im Anschluß an meine Fragen an ihn nach meiner Motivation für diesen Blog gefragt, hier ist sie offensichtlich: Ich habe durch Buchstaebliches die Chance, viele nette "Buchmenschen" kennenzulernen, sei es die schreibende oder die lesende Zunft, und darüber freue ich mich sehr :-)
Wer übrigens noch mehr Infos zu dem Autor sucht: Hier geht es zu seiner Autorenseite und hier zu meiner Rezension zu "Todesblau".
Danke für das Interview. Deine Fragen gefallen mir und bringen mir den Autor näher.
LG Kerstin
auch hier wieder ein tolles Interview, dankeschön.