Eine Lebensabschnittsgeschichte
„Folge deinem Stern!“
Dies steht gleich vorne in meinem Exemplar des Buches geschrieben und ist eindeutig das Motto, das durch die gesamten 366 Seiten zieht. Diese Autobiographie des Autors liest sich wie ein Roman, ein bisschen gespickt mit Elementen der Geschichte „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ und ein bisschen Hippie-Romantik, allerdings völlig ohne Gefühlsduseleien.
Die Geschichte des Autors beginnt im erzkatholischen Münsterland der Nachkriegszeit, gegen dessen konservative Enge er sich schon als Jugendlicher auflehnt. Seine Eltern reagieren darauf drakonisch, was sicherlich auch seinen weiteren Lebensweg geprägt hat. Mehrmals versucht er zu entfliehen und landet letzten Endes in Westberlin, dem Schmelztiegel bunter Vögel, Visionäre und an anderen Orten gescheiterter Existenzen. Seine Reisebilder sind bunt, anschaulich und schnell, man hüpft als Leser von Land zu Land, von Mensch zu Mensch und von Job zu Job, man wird mitgerissen vom Getriebensein des Autors.
In Berlin lebt Frieling anfangs in WGs, immer auf der Suche nach dem Sinn und getrieben von dem Einsatz für eine bessere Welt. Stark links orientiert setzte er sich für ein offenes, freies Leben ein. Zeitweise hatte ich beim Lesen das Gefühl, das System der DDR käme dabei ein bisschen zu gut für meinen Geschmack weg, dies legte sich jedoch schnell und hinterließ sogar ein bisschen den Eindruck, vielleicht tatsächlich auch mal die positiven Seiten eines sozialistischen Staates zu beachten. Marx Ideen an sich waren schließlich gut, in der Umsetzung sind sie bisher jedoch immer gescheitert.
Ohne sich selbst zu verraten, hatte Ruprecht Frieling jedoch auch in der kapitalistischen Welt Erfolg, anschaulich berichtet er von seinen verschiedenen Berufsstationen und Ideen, die er unbeirrt in die Tat umsetzte. Egal ob als Fotograf, Journalist, Reporter, Autor oder beim Fernsehen, überall war er bald bekannt als bunter Hund mit Visionen, die zwar unkonventionell, aber durchaus erfolgreich waren. So führte sein Weg zu seinem Frieling-Verlag, welcher vielen Autoren erst den Weg zur Veröffentlichung geebnet hat. Neu an dieser Idee war, dass die Autoren den Verlag für die Veröffentlichung ihres Werkes bezahlten, sie bekamen das gedruckte Buch und dieses wurde vom Verlag beworben. Viele schöne Geschichten beschreibt der Autor rund um diese Entwicklung, welche ihm letzten Endes auch den Namen „Bücherprinz“ einbrachte. Seine Autobiographie endet mit dem Verkauf des Verlages.
Wer allerdings ein bisschen herumstöbert, wird schnell feststellen, dass der Internet-Buchverlag, in dem vorliegendes Buch erschienen ist, auch unter Wilhelm Ruprecht Frielings Leitung steht, zur Ruhe gesetzt hat er sich demnach scheinbar noch nicht. Nach dem Lesen des Buches wage ich sogar zu bezweifeln, ob jemand, der derartig viele Ideen hat, überhaupt zur Ruhe kommen kann.
Mir hat der erste Teil des Buches am besten gefallen, sein Ausbruch aus dem Elternhaus und die damit verbundenen Konsequenzen ebenso wie seine Anfangszeit in Berlin, vielleicht, weil hier Emotionen noch eine größere Rolle spielen als später. Ansonsten werden zwischenmenschliche Beziehungen nur selten dargestellt, wenn überhaupt, dann rational beschrieben. Wer Rosenkriege oder schwierige emotionale Verwicklungen sucht, ist bei diesem Buch falsch. Mir hat gerade dies gefallen, das Hauptaugenmerk liegt auf dem beruflichen Lebensweg und der ist spannend und außergewöhnlich genug. Sehr schön ist der Schreibstil, ein großer Wortschatz, eine bildreiche Sprache und trotzdem keinerlei Überfrachtung oder gar schwieriger Lesestoff.
Insgesamt ein schnelles, buntes Buch, was durch Sprache, Inhalt und Aufmachung den Lebensweg Wilhelm Ruprecht Frielings ganz deutlich erscheinen lässt. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung und ich würde auch den Internet-Buchverlag als potentiellen Lesefutter-Versorger im Auge behalten ;-)
Paperback 366 Seiten, Internetbuchverlag, 1. Aufl. 2009, 19,80 Euro
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