Dortmund: mehr als Fußball, Bier und Kohle
Bücher über Dortmund gibt es viele, allerdings seit langer Zeit kein aktuelles. Nun, wirklich aktuell ist dieses auch nicht, behandelt es doch vorrangig den Zeitraum vor dem zweiten Weltkrieg. Bis in die frühe Geschichte geht der Autor dabei zurück, erklärt zum Beispiel, warum die Stadt gerade an dieser Stelle entstanden ist und welche Theorien es zu ihrer Namensgebung gibt. Das Ganze ist immer wieder angereichert mit Zeichnungen und sogar computergenerierten Nachbildungen der mittelalterlichen Stadt. Nicht ganz soweit zurück liegen natürlich die Fotos, die Markus Meeder hier präsentiert, sie zeigen vorrangig das Stadtbild vor dem zweiten Weltkrieg. Aber auch die Zerstörungen danach werden bildlich aufgezeigt, man überlegte tatsächlich, Dortmund an anderer Stelle komplett neu aufzubauen. Gut, dass es dazu nicht gekommen ist, nur so lassen sich immer noch Artefakte aus alter Zeit (wieder) finden. In mühevoller Kleinarbeit hat der Autor sich genau danach auf die Suche gemacht und kann so in seinem Buch nicht nur die alten Bilder präsentieren, sondern auch genau sagen, wo sie entstanden sind. Um dies als Leser ebenfalls nachvollziehen zu können, wird jeder Punkt seiner historischen Reise auf kleinen Übersichskarten eingezeichnet, die geradezu einladen, sich selbst auf den Weg in die Vergangenheit zu machen.
Dabei beschränkt er sich allerdings auf den Stadtkern, thematisiert wird jenes Gebiet, welches innerhalb des heutigen Wallringes liegt. Dieser zeigt nämlich heute noch auf, wo zu mittelalterlicher Zeit die Stadtmauer verlief und damit Dortmunds Stadtgrenze.
Einige der alten Aufnahmen wurden vorher noch nicht veröffentlicht, bieten also auch passionierten Sammlern noch neue Einblicke.
So ganz nebenbei erfährt man als Leser sehr viel über die historischen Entwicklungen der Stadt, lernt die Reinoldisage kennen und was es mit der Fehmlinde auf sich hat. Und natürlich bekommen auch die Brauereien ihren Platz, wenn Dortmund nicht als Stadt des Bieres gilt, welche dann.
Während einige dieser Gebäude noch heute zu sehen sind, manchmal in veränderter Form, kann man dies von vielen nicht mehr behaupten, z.B.der ortsansässigen Synagoge. Glücklicherweise hat der Autor auch von dieser ein Foto gefunden und in dem Buch verewigt.
Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, man muss ganz sicher kein Historiker sein um hieran seine Freude zu haben. Trotzdem besticht es durch fundiertes Wissen, was sich der Autor im Selbststudium und mit Hilfe von Fachleuten, z.B. Mitarbeitern des Stadtarchivs, angeeignet hat. Aufgelockert wird das Ganze durch sympathische Anekdoten, z.B. die Geschichte einer kleinen Ratte im alten Rathaus.
Insgesamt ist dieses ein Buch, das man immer wieder aus dem Schrank holen möchte, um nochmal die Bilder anzuschauen und mit aktuellen zu vergleichen, sie zeigen deutlich, wie sich ein Stadtbild im Laufe der Zeit verändert. Jedem, der sich für Dortmunds Stadtgeschichte interessiert, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Auch Leser, die sich generell für historische Stadtentwicklungen begeistern können und nicht ausschließlich rein wissenschaftliche Lektüre bevorzugen, sollten hier Interessantes finden.
Eine klare Kaufempfehlung von mir, ich sehe die Stadt jetzt nicht mehr ausschließlich schwarz-gelb, sondern auch die anderen spannenden Begebenheiten :-)
Sutton Verlag, 128 Seiten, 80 Bilder (Farbe), Hardcover, 1.Aufl. 07.2015
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